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Die Straße als Lebensraum

Diakonie in Polen arbeitet mit „Eurowaisen“ und Straßenkindern

von Anna Darzyńska

 

In Polen leben ca. 1,2 Millionen Kinder, die ihre Freizeit auf der Straße verbringen. Zwar haben die meisten noch Kontakt zu ihren Familien, aber zuhause bekommen sie keine entsprechende Betreuung und keine emotionale Unterstützung: Sie spielen, arbeiten und schließen Bekanntschaften auf der Straße. Zuhause übernachten sie praktisch nur noch.

Ihre Eltern haben oft viele Probleme mit ihrem „persönlichen“ Leben, sind von Arbeitslosigkeit und der daraus resultierenden schwierigen sozialen Situation betroffen. Immer mehr solcher Menschen, die in Polen keine Arbeit finden, suchen Arbeit im Ausland. Ihre Kinder bleiben bei Verwandten oder Bekannten. Manche bleiben auch alleine. Bei ihnen spricht man dann von „Eurowaisenkindern“. Man schätzt, dass 13 % der polnischen Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren ohne entsprechende Aufsicht und Betreuung aufwachsen. Sie sind die zukünftigen Arbeitslosen, Kunden der Sozialhilfe oder Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Im Rahmen der Diakonie der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gibt es verschiedene Projekte und Einrichtungen, die speziell mit Kindern und für Kinder arbeiten. Vier Kirchengemeinden aus Schlesien (Bytom Miechowice, Katowice, Katowice-Szopienice und Zabrze) sind in dem Projekt für Straßenkinder aktiv, das in den Jahren 2013-2015 von dem Lutherischen Weltbund unterstützt wird.

In Bytom sind seit 2010 evangelische Straßenpädagogen tätig, die mit kreativen Freizeitangeboten auf die Kinder und Jugendlichen zugehen. Angefangen hat diese wichtige Arbeit Herr Robert Cieślar. Zu Beginn hat er einfache Sachen wie Kartenspiele und Sportangebote für Jugendliche auf der Straße gestartet. Dann hat er aber auch Kontakte mit dem städtischen Sozialhilfezentrum geknüpft und mit den Familien der Kinder.

Im Jahr 2011 ist es dann gelungen, eine feste Kindergruppe zu bilden und mehrere gemeinsame Workshops, Ausflüge und Treffen durchzuführen. Zum Beispiel gab es einen Fotographie-Workshop mit dem Titel „Bobrek durch Kinderaugen“, wobei Bobrek das ärmste Stadtviertel von Bytom ist. Am Ende des Workshops fand eine große Fotoausstellung in einem Einkaufszentrum statt.

Auch ein Koch-Workshop und ein Spiel-Festival wurden organisiert, an dem allein 120 Kinder teilnahmen. Und zusammen mit der Stiftung United Way Polska fand die Aktion „Brief an den Weihnachtsmann“ statt, durch die 40 Straßenkinder Weihnachtsgeschenke bekamen.

Auch in den anderen teilnehmenden Gemeinden erhalten die Kinder und Jugendlichen Angebote, um ihre Freizeit mit konkreten Beschäftigungen zu verbringen. In generationenverbindenden Programmen werden sie so zu ehrenamtlicher Tätigkeit ermuntert. Dabei unterstützen die Jugendlichen ältere Menschen beim Einkaufen, Aufräumen und Spazierengehen. Gleichzeitig werden Senioren zu aktiven Jugendarbeitern.

Durch all diese Tätigkeiten können die Jugendlichen ihr Interesse am Lernen und anderen nützlichen Aktivitäten finden und das wahre Bild ihrer selbst entdecken. Das trägt dazu bei, dass sie die Straße nicht mehr als ihren Hauptlebensraum sehen.

(Lutherische Welt-Information, Deutschsprachige Ausgabe – Regionalteil Europa, 2/2013)